Art Performance

PYGMALION NULLPUNKTZWEI

By 21. June 2022 No Comments

Premiere 5.November 2022, Ursulinenkirche, Linz

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PYGMALION NULLPUNKTZWEI

Der von Welt und Frauen zurückgezogene Künstler Pygmalion formt sich in der klassischen Version des Stoffes bei Ovid seine perfekte Frau aus Elfenbein. Die Liebesgöttin Venus haucht diesem, später Galathea genannten, Werk das Leben ein, wodurch auch die sexuelle Verbindung des Künstlers mit seinem Werk ermöglicht wird. Das zeitgenössische Tanzstück „Pygmalion Nullpunktzwei“ greift die in dieser Thematik steckenden Sehnsüchte und deren Abgründe auf: Es folgt dem Begehren nach einem double, einem einen selbst spiegelnden Gegenüber, einer oder eines perfekten Geliebten – und visiert nicht zuletzt auch die in diesem Liebesverhältnis von Schöpfer und Geschöpf liegenden destruktiven Tendenzen an.
Aufbauend auf einem Solo von Silke Grabinger führt SILK Cie. & SILK Fluegge die Bearbeitung des Pygmalion-Mythos nun mit vier Performer·innen weiter. Dabei wiederholen sich die stofflichen Momente des Mythos – die Entsagung, die Schöpfung und die Vereinigung – im Laufe des Stücks selbst. Der Tanz selbst entfaltet sich vom entbehrenden Künstler über das erschaffene Kunstwerk hin zu der die unterschiedlichen Vereinigungen umfassenden mythologischen Geschichte – ein Bogen von Pygmalion über Galathea bis zu Adonis. Es wird auch der Versuch unternommen, die Vermittlung der Liebesgöttin zu übergehen, – nicht mehr ihr obliegt es, Objekt zu Subjekt zu machen. Anstelle dessen haucht die Kombination aus dem musikalischen Geflecht der Orgelmusik Jeremy Josephs und der Komposition Rojin Sharafis sowie der Choreografie Grabingers dem Kunstwerk die Lebendigkeit ein. Venus ist somit nicht mehr im Akt der Schöpfung, hingegen vielmehr in dem der Vereinigung zugegen, woraus sich eigene Notwendigkeiten des mythologischen Schicksals zeitigen. Dabei steht nicht nur das individuelle Glück Pygmalions und seiner Schöpfung auf dem Spiel, sondern auch das radikale Glücksversprechen von Kunst selbst: gerade in der Entsagung von der Welt etwas wahrhaft Lebendiges zu schaffen, das in einer Vereinigung mit der Welt diese wiederum mit seiner Freiheit begeistet.

PYGMALION NULLPUNKTZWEI

 

In Ovid’s classical version the artist Pygmalion, withdrawn from the world and women, sculpts his perfect wife out of ivory. Venus, the goddess of love, breathes life into this work, later called Galathea, which also enables the artist’s sexual connection with his work. The contemporary dance piece “Pygmalion Nullpunktzwei” takes up the desires and abyss inherent in this theme: it follows the desire for a double, a self-mirroring counterpart, a perfect lover – and last but not least also the destructive tendencies lying in the love affair between creator and creation.

After a solo by Silke Grabinger, SILK Cie. & SILK Fluegge now continue the treatment of the Pygmalion myth with four performers. The material moments of the myth – renunciation, creation and union – are repeated in the development of the piece. The dance itself develops from the withdrawing artist to the created piece of art up to the mythical history comprising its different unions – extending from Pygmalion and Galathea to Adonis. This is also an essay to override the mediation of the goddess of love – it is no longer up to her to turn object into subject. Instead, the combination of the musical framework of Jeremy Joseph’s organ music, Rojin Sharafi’s composition and Grabinger’s choreography creates the aliveness of the work of art. Venus is no longer present in the act of creation, but only in the act of union, leading to the necessities of the mythological fate. Thereby, not only the individual happiness of Pygmalion and his creation is at stake, but art’s radical promise of happiness itself: creating something truly alive precisely in renouncing the world, which in a union with the world inspires it with its freedom.

Credits:  

Künstlerische Leitung und Choreografie: Silke Grabinger
Choreografische Beratung: Gergely Dudás-Simó
Company Management: Olga Swietlicka
Produktionsleitung: Manon Chauveau
Produktionsteam: David Brandstetter, Marie Scholze
Lichtdesigner: Max Windisch-Spoerk
Kostüm: Bianca Fladerer
Dramaturgie: Ludwig Felhofer, Silke Grabinger
Performer:innen: Elias Choi-Buttinger, Gergely Dudás-Simó, Kirin Espana, Silke Grabinger
Musikkomposition, Live Performance: Rojin Sharafi
Orgel: Jeremy Joseph  

 Eine Kooperation von SILK Fluegge und KIRCH´KLANG FESTIVAL